Das Jubiläumsjahr 1961
Der Fahrzeugpark vor der Feuerwache in der Vaubanstraße im Jahre 1961 (Es fehlt im Bild der RKW 7.)
Die Mannschaft im Jubiläumsjahr 1961 In der Mitte Bürgermeister Hubert Schreiner, links neben ihm Amtswehrführer Richard Lahminger, rechts neben ihm Wehrführer Günther Flasche
Standartengruppe 1961, Helme ohne Nackenleder, weiße Handschuhe; Dieselbe Standarte bereits 1894 auf Foto zu sehen
v.l.n.r.: Löschmeister Rudolf Beck, Oberfeuerwehrmann Günter Steuer und Hauptbrandmeister Richard Lahminger 1961
Brandmeister Jakob Haas sen. mit Stiefelhose und hohen Lederstiefeln im „großen Dienstanzug“ 1961
Bisher gehörte die Skimütze als Kopfbedeckung zur Uniform. Rechtzeitig zum Jubiläum war die Freiwillige Feuerwehr Saarlouis komplett mit den neuen Schirmmützen ausgestattet worden. (Im Bild von links nach rechts: Brandmeister Ernst Eisenbarth Löschzug Fraulautern, Brandmeister Hermann Bruckhaus, Oberbrandmeister Günther Flasche, Brandmeister Rudolf Quirin, alle drei Löschzug Saarlouis)
Der Feuerwehr Saarlouis-Innenstadt erhält im Juli 1961 als erste Freiwillige Feuerwehr in der Bundesrepublik ein TROWA-Fahrzeug (später als TroTLF 16 genormt) von Magirus in Ulm. Das Fahrzeug verfügt über 750kg Trockenpulver, einen 200l Schaummitteltank und 1500l Wasser. Dieses neue Fahrzeugkonzept wird in nicht unerheblichem Maße durch die Wünsche der Freiwilligen Feuerwehr Saarlouis beeinflusst, die damit an der Erfindung und Entwicklung dieses innovativen Fahrzeugkonzeptes in hohem Maße beteiligt ist. Dies bestätigte die Firma Magirus mit dem nachfolgend wiedergegebenen Schreiben vom 28. Juli 1961 der Freiwilligen Feuerwehr Saarlouis ausdrücklich:
Anerkennungsschreiben der Firma Magirus
Das neue TROWA
Das Fahrzeug wurde zunächst in einer Serie von nur vier Stück gebaut. Eines davon kam zur Freiwilligen Feuerwehr Saarlouis.
150. Geburtstag der Freiwilligen Feuerwehr Saarlouis
(Quellen für die folgenden Darstellungen sind mehrere Ausgaben der Saarbrücker Zeitung und der Saar-Zeitung vom 25.9.1961 ff., ferner das Heft 9/10 1961 der Brandwache im Saarland sowie das Fotoarchiv der FF Saarlouis.)
Die Feuerwehr der Stadt Saarlouis feiert vom 23. bis 25.09.1961 ihr 150-jähriges Bestehen . Die gesamte Jubiläumsveranstaltung wurde unter das Motto „Der Feuerwehrmann, Euer Helfer und Retter in der Not, ruft die Jugend“ gestellt
Die Stadt Saarlouis stand an den beiden Festtagen ganz im Zeichen dieses Feuerwehrjubiläums. Der Reporter der Saarbrücker Zeitung schwärmte: “Der Große Markt hatte sein nüchternes Aussehen gegen ein festliches Gepräge eingetauscht. Von den Masten leuchteten bunte Fähnlein in den Farben der Stadt, des Landes und der Bundesrepublik, und das große Quadrat des Platzes war von Fahnenreihen rundum nachgezeichnet. Am Abend spannten sich Lichtgirlanden mit Hunderten von elektrischen Birnen zu beiden Seiten der Straße entlang, und die Schaufenster und sonstigen Leuchtpunkte strahlten auf wie zur Weihnachtszeit.”
Bereits am Nachmittag des Samstags lockten eine Fahrzeug- und Geräteschau zahlreiche Zuschauer auf den Großen Markt, die sich die Fahrzeuge von den Feuerwehrmännern erklären ließen. Ein Wertungsspielen der Spielmannszüge des Landkreises Saarlouis stellte dann den nächsten Publikumsmagneten dar. Der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Elm ging daraus als Sieger hervor.
Fahrzeugausstellung der Fahrzteuge des Löschzuges Innenstadt
Der Spielmannszug Elm beim Wertungsspielen
Im Rahmen der Auftaktveranstaltung überreichte Amtswehrführer Lahminger offiziell die Fahrzeugschlüssel des neuen Trowa-Fahrzeuges an Oberbrandmeister Günther Flasche, den Löschzugführer Innenstadt. (Bild rechts)
Amtswehrführer Lahminger meldet an Landesbrandinspekteur Hoffmann
Zur Eröffnung angetreten!
Übergabe des TROWA-Schlüssels
Am Abend fand im Theater am Ring vor einem großen Kreis geladener Gäste ein sehr gut besuchter Festakt statt, zu dem Beigeordneter Seiwert in Vertretung des plötzlich erkrankten Bürgermeisters Hubert Schreiner den saarländischen Innenminister Schnur, den Präsidenten des DFV Bürger, Landrat Riotte, Dechant Unkel und Pfarrer König, Landesbrandinspekteur Hoffmann, den französischen Konsul Henry Villeroy de Galhau sowie Lieutenant Flocard als Vertreter der französischen Garnison begrüßte.
Ein Blick in den Festsaal des Theaters am Ring während des Festaktes
Präsident Albert Bürger
Hauptredner des Festaktes war der Präsident des DFV Albert Bürger. Er machte längere Ausführungen zur “Geschichte des Feuerlöschwesens und die Entwicklung der Feuerwehr in Deutschland und Frankreich, dass die frühe Gründung der Saarlouiser Wehr, als der ältesten Freiwilligen Wehr der Bundesrepublik, aus der eigenartigen geschichtlichen Vergangenheit der Stadt Saarlouis resultiere und als eine Auswirkung der Wechselbeziehungen zwischen Deutschland und Frankreich anzusehen ist. Das Feuerwehrregiment von Paris als militärische Einrichtung und die „Feuerlöschcompanie“ von Saarlouis, beide gleichzeitig 1811 gegründet, seien demselben Dekret Napoleons vom September 1811 entsprungen.” (Quelle Saarbrücker Zeitung vom 25.9.1961)
Schließlich widmete Bürger dem Motto der Veranstaltungen einige Worte und bat die Wehrführer und Verantwortlichen für die Feuerwehr eindringlich Jugendfeuerwehren ins Leben zu rufen.
Amtswehrführer Lahminger erhält eine Floriansstatue als Geschenk
Amtswehrführer Lahminger schenkt Wehrführer Flasche eine Floriansplakette
Bereits am frühen Morgen leitete der Spielmannszug der Freiwilligen Feuerwehr Roden mit dem obligatorischen Wecken den Sonntag ein. Ein Gottesdienst für die gefallenen und gestorbenen Kameraden der Feuerwehr Saarlouis war sehr stark besucht. Dechant Unkel hielt die Predigt. Er würdigte die Tätigkeit des Feuerwehrmannes im Dienste des Nächsten und stellte sie als christliche Tat heraus.
Nach dem Gottesdienst formierte sich der Zug der Feuerwehrmänner zur Totenehrung und Kranzniederlegung am Ehrenmal neben dem Landratsamt. Der Spielmannszug Roden und der Orchesterverein Lisdorf hatten den musikalischen Teil übernommen. Den Kranz der Feuerwehr legte Präsident Bürger in Begleitung von Landesbrandinspekteur Hoffmann nieder, während Beigeordneter Seiwert den Kranz der Stadt am Ehrenmal niederlegte.
Amtswehrführer Lahminger, Präsident Bürger, Beigeordneter Seiwert, Landesbrandinspekteur Hoffmann (von links)am Ehrenmal
Der Nachmittag brachte neben Schauübungen und einem Vorbeimarsch auf dem Großen Markt eine groß angelegte Hauptübung auf dem Kleinen Markt. Alle Veranstaltungen hatten Tausende von Zuschauern angelockt.
Um 14.15 waren Hunderte von Feuerwehrleuten aus allen Stadtteilen und den umliegenden Ortschaften auf dem Großen Markt angetreten als Amtsehrführer Lahminger seine Meldung erstattete.
Abschreiten der Front durch Amtswehrführer Lahminger, Landrat Riotte, Beigeordneten Seiwert, Präsident Bürger, Landesbrandinspekteur Hoffmann (von links)
Amtswehrführer Lahminger begrüßt Präsident Bürger
Präsident Bürger bei seiner Ansprache
Großes Interesse fanden die beiden Schauübungen: Aus einem brennenden Schuppen wurde ein Kombiwagen geborgen und mit Trockenpulver abgelöscht. Dann wurde der Wagen durch den Kran des RKW 7 auf einen LKW verladen und abtransportiert.
Die zweite Übung hatte einen Benzinbrand großen Umfangs zum Gegenstand. Die Flammen schlugen meterhoch und strahlten eine übermäßige Hitze aus. Innerhalb weniger Sekunden jedoch hatten die Wehrmänner vom neuen Trowa-Fahrzeug aus das Feuer gelöscht. Diese imponierende Leistung der Wehrmänner fand starken Beifall aller Zuschauer.
Schauübung Flüssigkeitsbrand, eine Wanne von ca. 3 m x 10 m wird mit Altöl und Bezin gefüllt
Schauübung Flüssigkeitsbrand, ein unheimliches Feuer
Das neue TROWA in Aktion
An dem anschließenden Vorbeimarsch nahm neben zahlreichen Feuerwehrdelegationen und Spielmannszügen auch eine starke Delegation der französischen Pompiers aus Falk in Lothringen teil.
Bei der folgenden Hauptübung war ein Brand im Verlagsgebäude der Saar-Zeitung am Kleinen Markt angenommen, wobei der Maschinenraum und das Papierlager im Rückgebäude sowie der erste und zweite Stock in Mitleidenschaft gezogen waren. Die anspruchsvolle Übung wurde von den Saarlouiser Feuerwehrmännern souverain gemeistert. Der gesamte Marktbereich war von der interessierten Bevölkerung dicht umlagert. Sicher auch dadurch motiviert, wurde diese Großübung zu einer Dokumentation hervorragenden feuerwehrtechnischen Könnens.
Der Löschangriff wurde von 3 Seiten vorgetragen: Vom Kleinen Markt aus wurde ein Innenangriff unter Atemschutz vom Trowa aus und ein Außenangriff über die DL 25 vorgetragen. Vom Kaiser-Freidrich-Ring aus trugen das TLF 16 (Latil) und der zum LF umgeräumte UGW (Citroen) einen Angriff in den rückwärtigen Bereich (Außenangriff) vor. Aus der Lothringer Straße stellt das LF 15 (Mercedes) eine Wasserversorgung her. Auch das DRK Saarlouis war anwesend, jedoch nicht eingesetzt.
Der Innenangriff vom TROWA aus wird vorbereitet.
Der Angriffstrupp geht in den Maschinenraum vor.
Zwei Atemschutzugeräteträger mit Pulverrohren
Außenangriff über die DL 25
Der Maschinist fährt seine Leiter punktgenau.
Ein Angriffstrupp steigt auf das Flachdach
Aufbau des Außenagriffs im Kaiser-Freidrich-Ring
Außenangriff im Kaiser-Friedrich-Ring
Wasserversorgung mit LF 15 aus der Lothringer Straße
Das DRK Saarlouis steht bereit
Die Ehrengäste verfolgten die Übung von der Terrasse des Saalbaues aus.
Der Sonntag klang aus mit einem Platzkonzert und einem Feuerwerk auf dem Großen Markt.
Der letzte Tag des Festes war am Vormittag getreu dem Veranstaltungs-Motto der Jugend gewidmet. Auf den Schulhöfen der Stadt wurden die zehn Löschfahrzeuge vorgeführt und die technischen Einrichtungen erläutert.
Der Nachmittag brachte den Feuerwehrmännern Entspannung bei der Besichtigung zweier ansässiger Unternehmen, der Donner-Brauerei und der Zigarettenfabrik Jyldis.
Umtrunk im Probierraum der Donner-Brauerei
Besichtigung der Zigarettenfabrik Jyldis
Besichtigung der Zigarettenfabrik Jyldis
Den Ausklang des Festes bildete ein Kameradschaftsabend im Theater am Ring. Nach einigen gemütlichen und unterhaltsamen Stunden im Festsaal, die die Feuerwehrmänner mit ihren Angehörigen und Gästen verbrachten, hatten die glanzvollen Festtage ihr Ende erreicht.
Es bleibt anzumerken, dass einige Jugendliche dem Aufruf des Festes gefolgt waren und so im Oktober 1961 (noch vor der offiziellen Gründung der Deutschen Jugendfeuerwehr im Jahre 1964) in Saarlouis-Innenstadt eine Jugendfeuerwehr gegründet werden konnte. Betreut wurde diese erste Jugendfeuerwehrgruppe von Jakob „Jacki“ Haas und Rudolf Beck.
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